Diagnostik bei Fluorchinolon-assoziierter Schädigung (FQAD)
Für FQAD existiert derzeit kein spezifischer Biomarker. Die Diagnose erfolgt klinisch anhand von Anamnese, zeitlichen Zusammenhang, Symptomverlauf und Strukturierten Diagnosekriterien. Der Zeitraum zwischen Antibiotikagabe und Symptombeginn kann variieren: Stunden, Wochen oder Monate (6-12 Monate). Seit Januar 2026 gibt es in Deutschland einen Sekundärcode der zu jedem Primärcode angehängt werden sollte damit die Statistik zu Fluorhcinolonschäden sichtbar wird. dies Bedeutet dass wenn nach der Gabe durch Flurochinolone bspw. die Diagnose Neuropathien gestellt wird dass an den Code zusätzlich der Sekundärcode vergeben werden sollte. Da die Nebenwirkungen von Flurochinolonen multisystemisch sind (und eine solche Vorgehensweise üblicherweise bei anderen multisystemischern erkankungen wie bspw. MS, Fibromyalgie oder ME/CFS etc.) nicht üblich ist kann dies mitunter sehr aufwändig sein.
Wann spricht die FDA von Fluoroquinolone-Associated Disability (FQAD)?
Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) beschreibt Fluorchinolon-assoziierte Schäden unter dem Begriff fluoroquinolone-associated disability (FQAD) anhand dreier zentraler Kriterien (FDA Safety Labeling Updates):
Um die Diagnose einer Fluorchinolon-assoziierten Behinderung (FQAD) gemäß den Kriterien der US-amerikanischen FDA zu stellen, müssen die folgenden drei Bedingungen erfüllt sein:
- Multisystemische Beteiligung: Der Patient muss über Nebenwirkungen berichten, die gleichzeitig mindestens zwei der folgenden Körpersysteme betreffen:
- Bewegungsapparat (muskuloskelettal: z. B. Sehnen, Gelenke, Muskeln).
- Neuropsychiatrie (z. B. Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, Verwirrtheit).
- Peripheres Nervensystem (z. B. brennende Schmerzen, Taubheit, Kribbeln).
- Sinnesorgane (z. B. Beeinträchtigung von Sehen, Hören, Schmecken oder Riechen).
- Haut.
- Herz-Kreislauf-System.
- Zeitliche Komponente: Die Beschwerden müssen 30 Tage oder länger nach dem Absetzen des Fluorchinolons anhalten.
- Grad der Beeinträchtigung (Disability): Es muss eine „erhebliche Unterbrechung der Fähigkeit einer Person vorliegen, normale Lebensfunktionen auszuüben“. Dies wird als eine signifikante, anhaltende oder dauerhafte Veränderung, Beeinträchtigung oder Schädigung der Körperfunktion oder der Lebensqualität definiert.
Die FDA entwickelte diese Kriterien ursprünglich im Jahr 2015 für eine umfassende Überprüfung ihres Meldesystems (FAERS), um Fälle zu identifizieren, in denen ansonsten gesunde Patienten nach der Behandlung von leichten Infektionen (wie Sinusitis oder unkomplizierten Harnwegsinfekten) schwerwiegende Langzeitschäden erlitten. (ganze absatz)1

Einschränkung
Eine deutliche Einschränkung der normalen Lebensführung.

Mehrere Organsysteme
Nebenwirkungen aus mindestens zwei unterschiedlichen Organsystemen (z. B. muskuloskelettal, neuropsychiatrisch, peripheres Nervensystem, Sinne, Haut oder Herz-Kreislauf)

Dauer
Fortbestehen der Beschwerden über mindestens 30 Tage nach Beendigung der Therapie.
In der Praxis erweisen sich diese Kriterien jedoch häufig als nicht ausreichend sensitiv, um die tatsächliche Vielfalt, Dynamik und funktionellen Auswirkungen der Symptome abzubilden. Darauf weist Dr. Stefan Pieper hin. Aus diesem Grund hat er einen strukturierten Fragebogen entwickelt, der Symptom-Cluster, Verlaufsformen und Alltagsbeeinträchtigungen differenzierter erfasst (FQAD-Fragebogen).
Dieser wird von einigen der wenigen Ärzt*innen genutzt, die FQAD therapeutisch begleiten, und dient als praxisnähere Ergänzung zu den formalen Kriterien.
Der Fragebogen kann als strukturierte Dokumentations- und Gesprächshilfe genutzt werden (z. B. für den Arzttermin oder zur Verlaufskontrolle). Er ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Diagnostische Hürden in der Praxis
In der Praxis berichten viele Betroffene, dass der Zusammenhang zwischen ihren Symptomen und der Einnahme von Fluorchinolon-Antibiotika nicht anerkannt oder angezweifelt wird.
Dies gilt auch dann, wenn die Beschwerden den im Beipackzettel beschriebenen Nebenwirkungen sowie den offiziellen Warnhinweisen entsprechen.
Mangels objektiver Biomarker und klarer Systemverankerung werden Betroffene häufig nicht ernst genommen, auf andere Ursachen verwiesen oder sich selbst überlassen.

