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Offizielle Warnungen
zu Fluorchinolonen

Was nationale und internationale
Gesundheitsbehörden zu Risiken und Nebenwirkungen sagen.

BFARM EMA FDA
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Offizielle Warnungen staatlicher Arzneimittelbehörden

Fluorchinolone weisen eine außergewöhnliche Häufung behördlicher Sicherheitswarnungen auf.
Nationale und internationale Arzneimittelbehörden haben in den letzten Jahren wiederholt auf schwerwiegende, teilweise lang anhaltende oder irreversible Nebenwirkungen hingewiesen.

Die folgenden Warnungen stammen von staatlichen Aufsichtsbehörden in Deutschland, der Europäischen Union und den USA. Sie sind offiziell veröffentlicht und rechtlich relevant.

Eine kompakte Druckversion aller Warnungen findest du hier unter „Offizielle Warnungen“.

BfArM

Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Zuständig für die Arzneimittelsicherheit in Deutschland, in enger Zusammenarbeit mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

EMA

Europäische Arzneimittelagentur (EMA)

Koordiniert die Arzneimittelbewertung in der EU, unter Einbindung nationaler Behörden der Mitgliedstaaten (z. B. BfArM, ANSM, AIFA)

FDA

Food and Drug Administration (FDA)

Verantwortlich für Arzneimittelsicherheit in den USA, in Zusammenarbeit mit dem Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

„Die Anwendung von Fluorchinolonen ist auf die Behandlung nachgewiesener bakterieller Infektionen beschränkt“ laut BfArM

Quelle →

Internationale Sicherheitswarnungen im Vergleich

Auffällig ist der deutliche zeitliche und inhaltliche Vorsprung der USA im Umgang mit den Risiken von Fluorchinolonen. Bereits im Jahr 2016 sprach die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA ausdrücklich von potenziell schwerwiegenden und irreversiblen Langzeitschäden. Im Jahr 2015 wurde von der FDA dort erstmals der Begriff der fluorchinolon-assoziierten Behinderung (Fluoroquinolone-Associated Disability, FQAD) geprägt.

Erst zwei Jahre später, nach einer umfangreichen, wochenlangen öffentlichen Anhörung (siehe auch: Zusammenfassung der Anhörung) von Betroffenen, Expert*innen und europäischen Pharmakovigilanz-Behörden, veröffentlichte die EMA eine EU-weite Sicherheitsentscheidung, in der diese schwerwiegenden und potenziell irreversiblen Langzeitschäden ausdrücklich benannt wurden. Diese Warnung galt für alle Mitgliedstaaten und wurde in 22 Sprachen verbreitet.

Für Deutschland bedeutete dies, dass das BfArM im Jahr 2019 den bisher umfangreichsten Rote-Hand-Brief veröffentlichte, in denen die potentielle Irreversibilität der Schäden erstmals klar benannt wurde. Die Warnungen betrafen alle systemisch und inhalativ angewendeten Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika und stellen bis heute eine der wichtigsten arzneimittelrechtlichen Sicherheitswarnungen für diese Medikamentenklasse in Deutschland dar.

Da die EMA 2023 jedoch weiterhin feststellte, dass diesen Warnungen nicht ausreichend gefolgt wird und Fluorchinolone in mehreren Ländern nach wie vor massiv außerhalb ihrer zugelassenen Indikationen eingesetzt werden – ohne eine relevante Reduktion der Verschreibungszahlen –, wurde EU-weit eine erneute Warnung veröffentlicht.
Diese diente ausdrücklich als Erinnerung an die vier Jahre zuvor versandte europaweite Sicherheitswarnung.

Auch die Studie der EMA aus dem Jahr 2023 die die Trend der Verschreibungen aufzeigt besagen dass die Ergebnisse weiterhin daraufhin deuten, dass die Warnhinweise und regulatorischen Maßnahmen der EMA nicht in allen Ländern konsequent umgesetzt wurden und die Verschreibungen von Fluorchinolonen weiterhin oft außerhalb der Empfehlungen erfolgten.

In Europa – und insbesondere in Deutschland – erfolgten vergleichbare Klarstellungen damit deutlich später als in den USA und ohne eine dauerhaft sichtbare, einheitliche Risikokennzeichnung für Patient*innen, wie sie mit Black-Box-Warnungen im US-amerikanischen System vorgesehen ist.

Ergänzend ist festzuhalten, dass bereits 2019 das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) festhielt, dass mehr als 40.000 Patient*innen in Deutschland von schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Schädigungen des Nervensystems, Sehnenrissen oder Schädigungen der Hauptschlagader betroffen waren. Diese Zahl stellt ausdrücklich nur einen kleinen Ausschnitt der schwerwiegenden multisystemischen Folgen dar und berücksichtigt keine Todesfälle.

Orientiert man sich an den Berechnungen des Arzneimittelexperte Dr. med. Charles Bennett (MD, PhD) zu Fluorchinolon-Nebenwirkungen in den USA und rechnet diese auf deutsche Verhältnisse um, ist von einer Größenordnung von 40.000 bis 400.000 Betroffenen pro Jahr auszugehen.

PRAC/EMA

Basierend auf gemeldeten Fällen mit schweren, langanhaltenden Nebenwirkungen im Rahmen der europäischen Pharmakovigilanz.
Die Zahl gilt EU-weit und spiegelt ausschließlich erfasste und bewertete Fälle wider. Zeitraum unbekannt. (PRAC-Bewertung 2018 ).

WIdO

Auswertung deutscher Krankenkassendaten (GKV) zu Fluorchinolon Folgeschäden für das Jahr 2018 allein für Deutschland. (WIdO Deutschland, 2018)

C. Bennett

Hochrechnung auf Basis internationaler Nebenwirkungsdaten für Deutschland, Dunkelziffer-Annahmen und pharmakovigilanzbasierter Risikomodelle.
(Deutschland, 2015).

Internationale Sicherheitswarnungen im Vergleich

Auffällig ist zudem, dass in der medizinischen Praxis bis heute häufig lediglich die (Achilles-)Sehnenproblematik primär bekannt ist. Entsprechend werden vor allem ältere Risikopatient*innen ab 60 Jahren genannt (siehe EMA, BfArM, FDA, Beipackzettel, Fachinformation), während weitere zentrale Risikofaktoren – etwa parallele oder nachgelagerte Kortikosteroidgaben – weiterhin auftreten, obwohl bekannt ist, dass diese selbst nach Therapieende strikt zu vermeiden sind da Sehnenbeschwerden ebenfalls noch Monate später auftreten können (Fachinformation).

Dass auch junge und zuvor gesunde Menschen schwer und dauerhaft an den Folgen dieser Medikamentenklasse erkranken können, wurde unter Mitwirkung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) selbst anhand einer Kohortenstudie im Jahr 2025 festgestellt (siehe auch hier den zugehörigen Dialog). Dieser Umstand findet sich jedoch weder in Warntexten, Beipackzetteln, Fachinformationen noch in der ärztlichen Aufklärung wieder, letzteres findet in der Regeln nicht statt weil das Ausmaß dieser ernsten Nebenwirkungen dieser Medikamentenklasse scheinbar nicht bekannt und entsprechend auch nicht an Patient*innen weiter gegeben wird.
Der Umstand das Nebenwirkungen „unabhängig vom Alter und potentiellen Risikofaktoren“ auftrifft wurde im Jahr 2024 von der britischen Gesundheitsbehörde MHRA festgehalten. Im Jahr 2015 hatte die Fallserie von Golomb dies ebenfalls bereits aufgezeigt.

Auch junge Menschen sind häufiger Betroffen, unabhängig vom Alter und potentiellen Risikofaktoren

Ebenso unberücksichtigt bleiben bislang Augen- und Ohrenpräparate, obwohl bekannt ist, dass auch diese systemisch wirken können. Laut überarbeiteter Patienteninformation wurde im April 2025 durch die Schweizer Gesundheitsbehörde festgehalten dass sowohl Augentropfen und -salben in den Blutkreislauf gelangen und außerhalb der lokalen Anwendung systemische Nebenwirkungen verursachen. Zitat: „In Augenpräparaten enthaltene Wirkstoffe können in den Blutkreislauf gelangen. Nebenwirkungen können deshalb ausser am Auge auch an anderen Teilen des Körpers auftreten.“)
Dennoch wird dieser Umstand in den offiziellen Warnungen nicht benannt. Im Beipackzettel aus Deutschland trotz identischem Hersteller und Inhalte findet sich ein solcher Hinweis nicht wieder.

Augentropfen- und -salben können ebenfalls in den Blutkreislauf gelangen und Nebenwirkungen in anderen Teilen des Körpers verursachen.

In Selbsthilfegruppen berichten Betroffene länderübergreifend, dass einige entweder durch solche lokal angewendeten Präparate geschädigt wurden oder trotz bestehender fluorchinolon-assoziierter Behinderung (FQAD) erneut Fluorchinolone erhielten – häufig unter der falschen Annahme, diese würden ausschließlich lokal wirken. Diese Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis, behördlicher Bewertung und klinischer Praxis ist bemerkenswert.

Abschließend ist noch erwähnenswert dass das britische MHRA im Juni 2025 die Häufigkeit der „schweren, behindernden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen“ nicht mehr als sehr selten sondern der Kategorie selten einordnet.

Deutschland:
rote-Hand Briefe

In Deutschland werden Sicherheitswarnungen als sogenannte Rote-Hand-Briefe veröffentlicht.
Für Fluorchinolone wurde eine außergewöhnlich hohe Anzahl solcher Warnmitteilungen herausgegeben – ein Umfang, der bei kaum einer anderen Wirkstoffklasse zu finden ist.

Black-Box-Warnungen existieren im deutschen Kennzeichnungssystem grundsätzlich ebenfalls, werden jedoch für Fluorchinolone nicht verwendet.

Europäische Union

Nach einer öffentlichen Anhörung im Jahr 2018 veröffentlichte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) eine umfassende Stellungnahme (ca. 80 Seiten) sowie eine EU-weite Sicherheitsentscheidung, gültig für alle Mitgliedstaaten.

Die darauf folgende Warnung wurde an sämtliche EU-Staaten kommuniziert und in 22 Amtssprachen der Europäischen Union veröffentlicht – ein Hinweis auf die besondere Tragweite der festgestellten Risiken.

Die Entscheidung führte zu erheblichen Anwendungseinschränkungen aufgrund langanhaltender, potenziell irreversibler Nebenwirkungen.

USA:
Black Box Warning

Die FDA kennzeichnet schwerwiegende oder tödliche Risiken durch sogenannte Black-Box-Warnungen – die höchste Sicherheitsstufe in den USA.
Systemisch angewendete Fluorchinolone sind mit mehreren dieser Warnstufen versehen.

Eine vollständige Übersicht aller offiziellen Warnungen von BfArM, EMA und FDA findest du in der folgenden Tabelle.

BehördeGültigkeitsbereichWirkstoffDatumKernaussageLink 1Link 2
BfArMDeutschlandMOXIFLOXACIN (AVALOX® UND ACTIMAX®)11.02.2008Lebensbedrohliche Leber- und schwere Hautreaktionen; Kontraindikation bei schwerer LebererkrankungWarnung 1
BfArMDeutschlandMoxifloxacin Tabletten
(Avalox® / Octegra® / Actimax® / Actira®)
19.01.2009Indikation stark eingeschränkt (ABS, AECB, CAP); neue schwere Risiken: Myasthenia-Verschlechterung, Rhabdomyolyse, Herzrhythmusstörungen (v. a. Frauen/Ältere); Hinweis auf BewusstseinsverlustWarnung 2
BfArMDeutschlandNorfloxacin-haltige Arzneimittel01.02.2009Indikation „akute und chronische komplizierte Pyelonephritis“ gestrichen; Wirksamkeit nicht belegtWarnung 3
BfArMDeutschlandTAVANIC® (Levofloxacin) Filmtabletten und Infusionslösung01.09.2012Indikationen stark eingeschränkt; neue schwerwiegende Nebenwirkungen bis hin zu tödlichem Leberversagen und lebensbedrohlichen HerzrhythmusstörungenWarnung 4
BfArMDeutschlandSystemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone26.10.2018Erhöhtes Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen; Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung, besonders bei RisikopersonenWarnung 5
BfArMDeutschlandSystemisch und inhalativ angewendete Chinolon- und
Fluorchinolon-Antibiotika
08.04.2019Lang anhaltende, behindernde und potenziell irreversible Nebenwirkungen; Anwendung stark eingeschränkt und nicht mehr bei leichten oder selbstlimitierenden InfektionenWarnung 6
BfArMDeutschlandSystemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone:29.10.2020Erhöhtes Risiko für Herzklappenregurgitation/-insuffizienz; Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung bei RisikopersonenWarnung 7
BfArMDeutschlandSystemisch und inhalativ angewendete
fluorchinolonhaltige Antibiotika
07.06.2023Erinnerung: weiterhin Verordnungen außerhalb der empfohlenen Anwendungsgebiete; nicht anwenden bei leichten/nichtbakteriellen Infektionen; Risiko lang anhaltender, schwerer und potenziell irreversibler NebenwirkungenWarnung 8
EMAEuropaAlle in der EU zugelassenen systemischen (oral, intravenös) und inhalativen Fluorchinolon-Antibiotika11.03.2019Rechtsverbindliche EU-Entscheidung: Aussetzung einzelner Chinolone und starke Einschränkung systemischer Fluorchinolone wegen lang anhaltender, behindernder und potenziell irreversibler NebenwirkungenEuropaweite Warnung 1EU-weites Risikobewertungsverfahren (EMA) inkl. öffentlicher Anhörung
EMAEuropaAlle in der EU zugelassenen systemischen (oral, intravenös) und inhalativen Fluorchinolon-Antibiotika12.05.2023Erinnerung an bestehende EU-Einschränkungen; Fluorchinolone weiterhin außerhalb der Empfehlungen verordnet – erneute Warnung vor lang anhaltenden, behindernden und potenziell irreversiblen NebenwirkungenEuropaweite Warnung 2Öffentliche Anhörung Warnung 1
FDAUSASystemische & inhalative Fluorchinolone08.07.2008erhöhtes Risiko für Tendinitis und Sehnenrupturen unter systemischen FluorchinolonenBlack Box Warnung 1
FDAUSAAlle systemischen Fluorchinolone25.02.2011Risiko einer Verschlechterung der Myasthenia gravis unter systemischen FluorchinolonenBlack Box Warnung 2
FDAUSAAlle systemischen Fluorchinolone (oral & intravenös)15.08.2013Risiko einer irreversiblen peripheren Neuropathie unter systemischen Fluorchinolonen; Aktualisierung der WarnhinweiseBlack Box Warnung 3
FDAUSAAlle systemischen Fluorchinolone (oral & intravenös)12.05.2016Risiko behindernder und potenziell dauerhafter Nebenwirkungen (Sehnen, Muskeln, Gelenke, Nerven, ZNS); Einsatz nur wenn keine AlternativeBlack Box Warnung 4
FDAUSAAlle systemischen Fluorchinolone (oral & intravenös)26.07.2016Behindernde und potenziell dauerhafte Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken, Nerven und ZNS; Anwendung bei Sinusitis, Bronchitis-Exazerbation und unkompl. HWI nur wenn keine Alternativen bestehenBlack Box Warnung 5
FDAUSAAlle systemischen Fluorchinolone (oral & intravenös)10.07.2018Warnung zu schweren Hypoglykämien (bis Koma) und psychiatrischen Nebenwirkungen; Aktualisierung der Sicherheitsinformationen für systemische FluorchinoloneBlack Box Warnung 6
FDAUSAAlle systemischen Fluorchinolone (oral & intravenös)20.12.2018Erhöhtes Risiko für Aortenaneurysma und Aortendissektion; bei Risikopersonen vermeidenBlack Box Warnung 7

Nationale Verzeichnisse & Empfehlungen

Was Behörden, Register und Fachstellen zu Fluorchinolon-Schäden dokumentieren.

Presse, Studien & Öffentlichkeit

Wie Fluorchinolon-Schäden öffentlich thematisiert werden – und was oft fehlt.

Häufige Schäden & Diagnosen

Was Betroffene berichten – und warum viele Diagnosen nicht eindeutig sind.

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